Wie sieht es eigentlich in Sachen Gerechtigkeit bei der Ausbildungssuche aus? Haben alle Bewerber*innen dieselben Chancen? 

Viele Studien liefern hierzu folgendes Ergebnis: Nicht jede*r Jugendliche hat in Deutschland die gleiche Chance auf einen Ausbildungsplatz. Insbesondere bei jungen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund konnte dieser Unterschied beobachtet werden. Zu diesem Schluss kamen auch die Sozialwissenschaftler*innen des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. In ihrer 2018 veröffentlichten Feldstudie zum Thema „Ethnische Hierarchien in der Bewerberauswahl: Ein Feldexperiment zu den Ursachen von Arbeitsmarktdiskriminierung“ erstellten die Forscher*innen Bewerbungsunterlagen fiktiver Personen und verschickten sie an reale Arbeitgeber*innen. Die Ergebnisse zeigen: Die Wahrscheinlichkeit eine positive Rückmeldung zu erhalten variiert je nach Herkunftsland, Religionszugehörigkeit und Erscheinungsbild – und das bei gleichen schulischen Leistungen. Es ist also wahrscheinlich, dass zwei Bewerber*innen, deren Zeugnisse nahezu identisch sind, letztlich anhand oberflächlicher Merkmale ausgewählt werden. Zum Vorteil des*der einen, zum Nachteil des*der anderen.

Dabei sind es vor allem muslimische Jugendliche und solche mit einem afrikanischen Erscheinungsbild, die benachteiligt werden. Als Ursache wird dabei die sogenannte präferenzbasierte Diskriminierung genannt. Dieser Begriff steht für die Diskriminierung aufgrund persönlicher Abneigung oder aufgrund von antizipierten Vorbehalten vonseiten der Mitarbeiter*innen oder Kund*innen. In diesem Zusammenhang seien es vor allem die Annahmen über den kulturellen Unterschied in Werte- und Normvorstellungen, die sich in der Auswahl der Bewerber*innen durch den*die Arbeitgeber*in widerspiegeln. Annahmen, das sind in diesem Fall oft positive und negative Vorurteile und Stereotype, die mit den einzelnen „Gruppen“ in Verbindung gebracht werden. 

Diese alarmierenden Erkenntnisse zeigen einmal mehr, dass Diskriminierung aufgrund des kulturellen Erscheinungsbilds Teil unserer Gesellschaft ist. Es gilt, sich nicht nur damit auseinanderzusetzen, sondern auch diese Missstände anzusprechen und wann- und wo immer möglich aktiv dagegen vorzugehen. Darüber hinaus ist es wichtig, Vielfalt zu fördern und einen Austausch zwischen Kulturen zu ermöglichen.