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Und wer vertritt mich?

„Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages […] sind Vertreter des ganzen Volkes.“ So steht es in Artikel 38 Grundgesetz. Wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich herausfand, sind aber einige Bevölkerungsgruppen im Parlament nur sehr gering vertreten.

Nun stellt sich die Frage, inwieweit sollte das Parlament überhaupt die ganze Bevölkerung repräsentieren? Kann nicht auch ein Mann für die Rechte der Frau eintreten und ein Heterosexueller für die Belange der Homosexuellen? Die Antwort ist klar: Ja, er kann, er muss aber nicht. Schließlich betreffen ihn die Entscheidungen für oder gegen eine andere Bevölkerungsgruppe nicht direkt. Wie wirksam vertritt der Bundestag also die Interessen jener Gruppen, die sich dort nur vereinzelt wiederfinden?

Im Hinblick auf das Thema Bildungsgerechtigkeit schneidet Deutschland regelmäßig mittelmäßig bis schlecht ab. Schulischer Erfolg und ein gelungener Übergang in das Berufsleben hängen noch stark von der sozialen und wirtschaftlichen Situation des Elternhauses ab. Ein Grund dafür könnte die angesprochene Abgeordnetensituation sein. Denn besonders groß ist die Differenz der Parlamentarier zur Gesamtbevölkerung im Bereich Bildung. Nur neun von 709 Volksvertreter haben einen Haupt- oder Volksschulabschluss. In der deutschen Bevölkerung sind es jedoch 35,7 Prozent und damit mehr als ein Drittel. Ein Grund dafür ist das Rekrutierungssystem der Parteien: Im Wettbewerb um Positionen und Wählerstimmen setzen sich eher die Höhergebildeten und Besserverdienenden durch. Inwieweit kann sich diese Situation nun ändern? Nach Thomas Saalfeld, Politikwissenschaftler an der Uni Bamberg, können im aktuellen System nur die Parteien selbst diese Diversität herstellen.

Es bleibt also spannend, vor allem auch im Hinblick auf die neue Regierung. Im Koalitionsvertrag hat sie Veränderungen in der Bildungspolitik mit Ausgaben im zweistelligen Milliardenbetrag angedacht. Unabhängig von dieser Umsetzung verfolgt ROCK YOUR LIFE! weiterhin das Ziel mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit in Deutschland zu schaffen. Mit unserem Mentoring-Programm und dem großen Netzwerk aus Ehrenamtlichen werden wir fortlaufend benachteiligte Jugendliche unterstützen, ihr Potential zu entfalten und selbstbewusst den Weg in ihre Zukunft zu beschreiten.

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